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Berührung für die Seele – Umarmungen machen glücklich

Eine Umarmung ist ein Kuss des Herzens

Ob anerkennendes Schulterklopfen, kumpelhafter Handschlag, ob wir in den Armen unseres Partners versinken,oder einen Freund zur Begrüßung in die Arme schließen - nichts gibt uns ein so behagliches Gefühl wie eine warme Umarmung. Doch die Geste sorgt nicht nur dafür, dass wir uns geliebt und beschützt fühlen - sie wirkt auch Wunder für unser Wohlbefinden.

Berührungsarmes Deutschland

Berührung ist selten geworden, fand eine Studie heraus, die der Südwest-Verlag in Auftrag gegeben hatte: Sie zeigt, dass die meisten Deutschen Berührung als wichtig empfinden und gleichzeitig das Gefühl haben, zu wenig körperliche Nähe zu erfahren.
Jeder dritte Mensch in Deutschland möchte häufiger in den Arm genommen werden. Bei Menschen zwischen 18 und 24 sogar jeder zweite. Auf die Frage, was sie glücklich macht, sagen die meisten Menschen im Land an erster Stelle - noch vor Sex, Ausgehen, Zusammensein mit Freunden oder Familie und Urlaub in der Natur: eine Umarmung.
Eine Forsa-Umfrage kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass in Deutschland Berührungsarmut herrscht: Jeder achte Bundesbürger sieht sich einem Mangel an körperlicher Nähe ausgesetzt. Gerade ältere Menschen, die viel allein sind, leiden häufiger unter „chronischem Berührungsmangel“. Sie nehmen körperliche Nähe fast nur als Dienstleistung in Anspruch, etwa in Form einer Massage oder der Kopfwäsche beim Friseur.

Von der Fellpflege zum Kuscheln

Um zu verstehen, was bei Körperkontakt passiert, muss man in die Evolution der Primaten zurückblicken. Affen und Menschenaffen schaffen und erhalten ihre Beziehungen durch die soziale Fellpflege, wobei die Fellpflege nicht allein damit verbunden ist, Schmutz oder Parasiten aus Haut und Pelz zu entfernen, sondern die Bedeutung kommt auch durch das langsame Fahren durch das Fell zustande, das mit dem Suchen des Putzenden verbunden ist. Das gilt auch, wenn Eltern durch die Haare ihrer Kinder fahren, und schließlich finden auch die meisten Menschen ein gewisses Wohlgefühl durch die Zuwendungen ihres Friseurs beim Haarewaschen oder Frisieren.
Das langsame Streicheln, das mit einer Fellpflege verbunden ist, stimuliert die afferenten Tastneuronen, die nur in behaarter Haut zu finden sind und die sich von den anderen Neuronen unterscheiden, die Informationen über Berührung, Schmerz oder Druck übermitteln. Diese speziellen Neuronen reagieren nur auf leichtes und langsames Streicheln und besitzen eine direkte Verbindung zum Gehirn, wo sie die Freisetzung von Endorphinen auslösen. Endorphine sind Teil des Schmerz-Kontroll-Systems und erzeugen einen schmerzlindernden Effekt, weshalb etwa menschliches Kuscheln mit seinen begleitenden Verhaltensweisen wie Streicheln, Abtasten und dem gelegentlichen Fahren durch das Haar eine Form der menschliche Primaten-Fellpflege darstellt, die darauf ausgelegt ist, auch Beziehungen zu schaffen und zu erhalten.

Berührungen sind für die Gesundheit so essenziell wie essen oder schlafen

 „Der Mensch kann ohne Geschmackssinn leben, ohne Gehör, sogar ohne Augenlicht. Aber Sie bleiben nicht gesund, wenn Ihnen der Körperkontakt genommen wird.“
Martin Grunwald, Haptik-Experte, Universität Leipzig

Die Definition einer Umarmung liest sich recht nüchtern, handelt es sich hierbei doch lediglich um den Akt, einen anderen Menschen mit den Armen zu umschließen. Dies geschieht aus verschiedenen Gründen, in der Regel aber aus Zuneigung und Mitgefühl.
Inzwischen ist uns bekannt, dass wir auf vielfältige Weise davon profitieren, jemanden zu umarmen bzw. umarmt zu werden. Regelmäßige Umarmungen kommen der Gesundheit von Körper und Geist zugute.
Die Umarmung fördert die Ausschüttung von Endorphinen und des Hormons Oxytocin (auch bekannt als Kuschel-Hormon), die in der Lage sind, die Stimmung zu heben.
"Oxytocin ist ein Neuropeptid, das Gefühle wie Hingabe, Vertrauen und Bindung fördert,” sagt der Psychologe Matt Hertenstein von der DePauw Universität. “Es ist der biologische Grundstein für Verbindungen mit anderen Menschen.”

Natürliche Blutdrucksenkung

Wenn jemand unsere Haut berührt, werden die Druckrezeptoren (sogenannte Pacini-Körperchen) in der Haut aktiviert. Sie senden Signale an den Vagusnerv im Gehirn, der (unter anderem) für die Senkung des Blutdrucks verantwortlich ist
Wer umarmt wird, fühlt sich sicher. Der Körper kann einen möglichen Alarm aufheben und die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol reduzieren. Und neben dem Blutdruck sinkt dann auch die Herzfrequenz.
Menschen, die kaum umarmen oder anderweitig physischen Kontakt zu Dritten suchen, weisen ein deutlich erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf. Das hängt mit einer erhöhten Herzfrequenz und einem gesteigerten Stresspegel zusammen.
In einem Experiment an der Universität von Nord-Carolina wurde festgestellt, dass Menschen, die keinen Kontakt zu ihren Partnern hatten, eine höhere Herzfrequenz aufwiesen, als jene, die körperlichen Kontakt zu anderen Menschen hatten.
Eine Dosis Umarmungen pro Tag hilft, das Herz zu schützen, indem der Herzrhythmus reguliert und die Durchblutung der Gewebe angeregt wird. So erreicht alle Zellen der notwendige Sauerstoff und die einzelnen Gewebe können ihre Funktion optimal erfüllen.

Stressabbau

Vom beruhigenden Effekt einer Umarmung profitiert nicht nur das Herz-Kreislauf-System, sondern auch das Nervensystem. Wir haben bereits auf den Zusammenhang zwischen regelmäßigen Umarmungen und Stress hingewiesen und möchten an dieser Stelle noch einmal betonen, wie entspannend es ist, zu umarmen.
Nervosität, Anspannung und Stress vergehen, wenn wir umarmen, und machen uns das Leben nicht mehr unnötig schwer.

Stärkung des Immunsystems

Regelmäßige Umarmungen können sogar das Immunsystem stärken und weniger anfällig für Erkältungsviren machen, wie Psychologen der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh herausfanden. Sie befragten für eine Studie Probanden nach sozialen Kontakten und infizierten sie mit Erkältungsviren. Die Teilnehmer, die oft in den Arm genommen worden waren, bekamen seltener einen Schnupfen als andere.
Die Oxytocinfreisetzung und die Cortisol-Reduktion tragen dazu bei, die Abwehrkräfte zu stärken und das Infektionsrisiko zu vermindern.
Es wurde nachgewiesen, dass die Anzahl der Antikörper im Blut steigt und der Kampf gegen Krankheitserreger so effektiver wird.

Schmerzlinderung

Diese einfache Form der Bezeugung von Zuneigung und Mitgefühl zählt zu den effektivsten Mitteln, um seelischen und sogar körperlichen Schmerz zu lindern. Das alte Sprichwort „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ kommt nicht von ungefähr.
Da das Empfinden für psychischen Schmerz in den gleichen Arealen verarbeitet wird wie das Empfinden für physischem Schmerz, dämpfen Endorphine, die bei einer Umarmung und Berührung entstehen, auch seelischen Schmerz, sodass eine Umarmung in einer solchen Situation als tröstlich und sogar schmerzlindernd empfunden werden kann. Nicht zuletzt werden diese Effekte auch durch das Neuropeptid Oxytocin verstärkt.

Umarmen fördert die Entwicklung

Die Zuneigung, die über eine Umarmung vermittelt wird, trägt entscheidend zur neuronalen Entwicklung in den ersten Lebensjahren bei. Fehlende physische Kontakte hingegen verzögern die Entwicklung des Nervensystems und damit das Erlernen geistiger und motorischer Fähigkeiten.
Einer Studie zufolge, die an der Duke-Universität (Nord-Carolina, USA) durchgeführt wurde, ist das Gehirn von Babys, die zu wenige Umarmungen erhalten, um bis zu 20% kleiner als das ihrer Altersgenossen.

Umarmungen stärken die Beziehung

Die Körpersprache ist eines der Standbeine einer glücklichen Beziehung. Ein Paar, das sich auch nach langen Jahren der Beziehung noch gern und häufig umarmt, schafft so eine kräftige emotionale Bindung. So fühlen sich beide Partner sicher und geliebt.
Der Berliner Paartherapeut und Autor Wolfgang Krüger ist sogar der Überzeugung, dass häufige Umarmungen die Liebe unter Paaren stärken. In seinem Buch So gelingt die Liebe beschreibt er, was sie in uns auslösen können. Auf die Frage, was eine Umarmung ausmacht, sagt er: „In der echten Umarmung passiert so viel, weil so wenig passiert. Sonst sind wir aktiv, wir tanzen miteinander, schmusen, sind im Bett sehr einfallsreich. Doch bei Umarmung lassen wir uns aufeinander ein, spüren uns und den anderen, bis wir merken, dass wir diese Intensität kaum aushalten – und uns wieder lösen.“
Das sei eine der intensivsten körperlichen Erfahrungen, die wir als Mensch erleben könnten, wie er bei seiner Arbeit mit Paaren erfuhr. „Umarmungen sind deshalb so tiefgehend, weil so wenig ablenkendes passiert, es ist die schlichteste und damit aufregendste Form körperlicher Berührungen“, sagt Krüger. Damit verstärkten Umarmungen das Gefühl der Zusammengehörigkeit, Streitigkeiten und Machtkämpfe würden dadurch gedämpft, weil ein tiefes Vertrauen entstünde, indem beide spürten: Wir gehören zusammen.
„Glückliche Paare suchen die Begegnung und es kommt zu längeren Umarmungen, die mehr als 60 Sekunden dauern“, sagt der Paartherapeut. „Diese Umarmungen kennen wir aus der Zeit der Verliebtheit und schaffen ein tiefes Gefühl der großen Liebe – trotz aller Schwierigkeiten.“ Krüger nennt eine Faustregel: Sich einmal in der Stunde zu umarmen, erneuere das Gefühl der Verliebtheit, weil eine intensive Nähe entsteht, die positiv dabei hilft, den mitunter schwierigen Alltag zu bewältigen.
Die 60-Sekunden-Regel lässt sich auch auf alle freundschaftlichen und familiären Beziehungen anwenden. Eigentlich ist es ganz einfach: Je mehr wir uns umarmen, desto besser werden wir uns fühlen.

„Wir brauchen vier Umarmungen pro Tag zum Überleben,
acht Umarmungen, um uns gut zu fühlen
und zwölf Umarmungen zum persönlichen Wachstum.“
Virginia Satir, “Mutter der Familientherapie“

Vom richtigen Umarmen

„Eine durchschnittliche Umarmung dauert maximal vier oder fünf Sekunden.“
David Schnarch, amerikanischer Sexualtherapeut

Das ist viel zu wenig! Denn:

„Ab einer 20-sekündigen Umarmung wird im Körper das „Kuschel-Hormon“ Oxytocin freigesetzt.“
Light et al., University of North Carolina, 2005

Dann öffnet sich unser Herz und wir können die energie in uns und zwischen uns fließen spüren.
Wenn wir darauf achten, die Herzen aufeinanderzulegen, wird dies noch verstärkt. Also den Kopf auf die rechte Seite und die linken Wangen aneinander…
Wir haben das mal kinesiologisch ausgetestet und festgestellt: Die Herzumarmung gibt beiden Kraft, während die andere Seite (Leber) beiden Kraft nimmt.

„Das Umarmen ist ein wunderbarer westlicher Brauch.“
Thích Nhất Hạnh, buddhistischer Mönch, Schriftsteller & Lyriker

 
„Wir sind alle Engel mit nur einem Flügel. Um fliegen zu können, müssen wir einander umarmen.“
Luciano De Crescenzo, italienischer Schriftsteller & Filmregisseur

Quellen:
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at / EMOTION / Umarmung.shtml
https://bessergesundleben.de/10-gruende-warum-wir-jeden-tag-umarmen-soll...
http://www.huffingtonpost.de/2014/03/30/gruende-oefter-umarmen_n_5049895...
http://ze.tt/warum-wir-alle-uns-viel-oefter-umarmen-sollten/