Die Wintersonnwende wurde von den Vorfahren, den Kelten oder auch Germanen nicht nur in einer Nacht gefeiert. Die Feier ging eigentlich 12 Nächte lang (Rauhnächte). Aus christlicher Sicht handelt es sich um die zwölf Nächte zwischen Weihnacht und Dreikönig, dem neuen und dem alten Geburtstag Christi. Genaugenommen sind es aber jene zwölf Tage und Nächte, die zwischen dem Mondjahr mit 354 Tagen und dem Sonnenjahr mit 366 Tagen liegen ? daher spricht man auch von der "Zeit zwischen den Jahren". Es gibt aber auch die Variante von 13 Rauhnächten, weil man davon ausgehen kann, dass die alten keltischen Stämme sich nach dem Mond richteten und 13 Mondmonate hatten.
Wie zu jedem Wendepunkt im Jahreskreis, so ranken sich auch um die Wintersonnenwende und insbesondere um die Rauhnächte allerlei heilsame und schützende Bräuche. Aufschluss über das Brauchtum, das meist in der Naturverehrung der Kelten und Germanen wurzelt, findet sich bereits in den Namen, denn die Rauhnächte nannte man auch:
Die Rauhnächte waren bei unseren Vorfahren Heilige Nächte. In ihnen wurde möglichst nicht gearbeitet, sondern nur gefeiert, wahrgenommen und in der Familie gelebt. Es gibt 12 Rauhnächte! Diese Rauhnächte gingen immer von Nacht zu Nacht. Also von 24.00 Uhr an Heilig Abend, der "Mutternacht" bis 24.00 Uhr am 25. Dezember - das war die erste Rauhnacht.
"Nacht" deswegen, weil wir uns nach dem keltischen Jahreskreis in der Jahresnacht befinden. Somit ist der ganze Tag "Nacht". Und die letzte Rauhnacht endet um 24.00 Uhr am 5. Januar. Diese Nacht ist wieder eine besondere Nacht, die Perchten-Nacht, wo an vielen Orten in Bayern und Österreich Perchtenläufe abgehalten werden. Danach ist dann Heilig-Drei-König, das Fest, das auch Epiphaniea, "Erscheinung", genannt wird.
Es gibt aber auch Varianten von 13 Rauhnächten, weil man davon ausgehen kann, dass die alten keltischen Stämme sich nach dem Mond richteten und 13 Mondmonate hatten.
Und dann gibt es noch die besondere Variante, dass die Rauhnächte an der Wintersonnenwende beginnen, sprich am 21. Dezember mit der Thomasnacht. Der Name Thomas bedeutet übersetzt "Zwilling". Das ist deshalb interessant, weil der Apostel Thomas auch als Zwilling von Jesus angesehen wurde. Und sind nicht die Sonnenwenden auch eine Art von Zwillingen: Sommersonnenwende und Wintersonnenwende.
Und über vielen Kirchenportalen kann man heute noch 2 Wölfe oder Wolfsdrachen (=Zwillingswölfe) sehen, die für die Sonnenwenden stehen. Sie stehen sich gegenüber, und der eine bedeutet die Zeit vor der Sonnenwende und der andere die Zeit nach der Sonnenwende.
Die Anzahl der Rauhnächte kann im letzteren Fall variieren, und es ist eine Frage der Wahrnehmung, wie lange eine Rauhnacht geht. Bei dieser Wahrnehmung geht es um Zeitqualitäten, bei denen man oft sehr genau spürt, dass diese Rauhnacht evtl. auch 2 Tage geht und einen größeren Zeitraum einnimmt als eine andere. Und diese Wahrnehmung ist wiederum wichtig für die Deutung und Zuordnung der Monate des folgenden Jahres.
Untrennbar mit dem Winterbrauchtum verknüpft ist das Losen oder Orakeln. Als noch kein Fernseher Ablenkung bot, vertrieben sich die Menschen in den langen Winternächten die Zeit mit Geschichten erzählen, mit Spielen oder mit unterhaltsamen Orakeltechniken wie zum Beispiel dem Nussschalenorakel, mit Kartenlegen oder Pendeln. Sicherlich geschah dies auch aus der Ungewissheit heraus, die jeder Wendepunkt im Jahreskreis im Menschen hervorruft: Wie wird das neue Jahr? Was bringt die Zukunft? - dies sind schließlich heute noch Fragen, die alljährlich zur Jahreswende Abertausende von Menschen bewegen. Zumindest das Bleigießen haben die meisten von uns schon einmal selbst mitgemacht, wobei Blei der Planetenkraft des Saturn untersteht, der ab Winteranfang über das Sternzeichen Steinbock und somit auch über die Rauhnächte regiert.
Die Alten benutzten jede dieser Rauhnächte für einen Monat des Jahres zum Deuten und Orakeln. Somit steht die erste Rauhnacht für den Januar, die zweite für den Februar und so fort. Sie beobachteten alles: Wetter, wie das Essen geschmeckt hat, ob gestritten wurde oder ob es friedlich zuging. Ob an diesem Tag alles glatt lief oder es Probleme gab. Und wenn ja, welche Probleme usw. Alles, auch das noch so Unwichtige, hatte eine Bedeutung. Und wer es verstand, der konnte den dazugehörigen Monat im Vorhinein deuten. Man konnte das Ganze auch noch weiter diferenzieren. So waren immer zwei Stunden einer Rauhnacht stellvertretend für einen kommenden Monat. Die ersten beiden Stunden von 0.00 Uhr bis 2.00Uhr in der Nacht standen immer für den Januar, die nächsten zwei für den Februar und so fort bis zu den letzten beiden Stunden, die für den Dezember standen. Und das jeden Tag.
Und wie zu allen heiligen Zeiten, gelten auch die Träume, die man in den zwölf Rauhnächten hat, im Volksglauben als Wahrträume, die in den entsprechenden Monaten des kommenden Jahres in Erfüllung gehen. Doch sind es stets die Träume der ersten Nachthälfte, auf die man achten muss.
Dann gab es besondere Tage, wie der 28. Dezember: Man hatte die ersten drei Tage nur Streit, das Wetter war grauenvoll usw., dann hatten man am 28. Dezember) dem Tag der Kinder, die Möglichkeit, alles wieder gut zu machen und aufzulösen. Dazu war es wichtig, sich alles nochmal genau vorzustellen und dann in weißes Licht zu tauchen oder in violettes und es verwandeln zu lassen in etwas Positives. Das gleiche konnte man am Ende auch nochmal machen - also am 5. Januar, dem Hohen-Frauen-Tag. Darum wurden diese Rauhnächte vorsichtig und wachsam begangen, da sie das ganze kommende Jahr in sich bargen und jeder selber dafür verantwortlich war, wie er die Weichen stellte.
Zum 4.12., am Barbaratag, holt man sich Kirschzweige ins Haus, deren Blüte zu Weihnachten ein erfolgreiches Jahr verspricht. Vielerorts sah man im Barbarazweig auch eine Art "heidnische Lebensrute". Daher schlug man mit den blühenden Zweigen die Kinder, um die Lebenskraft der sich verjüngenden Natur auf sie zu übertragen. Dieser Brauch des "Kinderfitzelns" überdauerte unzählige Jahrhunderte und wird heute noch am 28. Dezember, dem Tag der unschuldigen Kinder, oder zu Nikolaus gepflegt. Die Nikolausrute ist damit ebenfalls als Lebensrute enttarnt. Kindern erzählt man, der Nikolaus käme, um die guten Kinder zu belohnen und die bösen Kinder zu bestrafen. Doch ursprünglich handelt es sich um den heidnischen Brauch des "Lebenweckens", der nichts mit einer Bestrafung gemein hatte (Max Höfler). Vielmehr kam ein Sippenmitglied als Naturgeist verkleidet und übertrug mit dem symbolischen Schlag Vitalität und Fruchtbarkeit des Segenszweiges auf die Menschen. Häufig gebrauchte man hierfür Zweige vom Buchs oder vom Wacholder, die als Immergrüne über das Todesprinzip des Winters siegen und daher beide auch "Lebensbaum" heißen.
Allen Immergrünen, besonders aber Buchs, Eiben, Tannen und Wacholder sprach man eine dämonenabwehrende Eigenschaften zu. Dies klingt beispielsweise in dem Sprichwort an: "Vor Eiben kann kein Zauber bleiben". Der Volksglaube kennt für die dämonenfeindliche Wirkung sogar eine Begründung: Wenn man Buchs vor die Tür stellt oder Fenster und Türen mit Eiben-, Tannen- oder Wacholderzweigen schmückt, dann verfallen die "Hexen" beim Anblick der Zweige in einen Zählzwang. Statt Unfug zu treiben, zählen sie die Blätter oder Nadeln und kommen damit einfach nicht zuende. Dieses Motiv begegnet uns auch im Maibaumkult: So verfallen die Hexen in der ersten Mainacht beim Anblick der ergrünenden Birken ebenso in Zählzwang. Vielleicht verbergen sich dahinter die Ehrfurcht oder auch die Ohnmacht der "Hexe" vor dem "Grün des Lebens". Denn die Hexe verkörperte in der nordischen Mythologie die Großmutter des Winters und wurde somit als ein Tod oder Unheil bringendes Wesen gesehen.
Der Schlag mit der Lebensrute hat noch einen Hintergrund: Auf diese Weise fordert man in Schweden die Julgeschenke ein. Der Schlagende überträgt die Vitalität der Natur und der Geschlagene dankt in Form eines Geschenkes. Zur Julzeit haben sich viele bedeutungsträchtige Geschenke eingebürgert wie etwa die Töpfchen mit vierblättrigen Kleeblättern, welche - wie der Adventskranz mit seinen vier Lichtern - die vier Jahreszeiten symbolisieren. Obwohl Silvester kein wirklich altes Fest ist, haben Bräuche wie das Verschenken von Glückspilzen oder das Aufhängen von Hufeisen wiederum eine tiefere Bedeutung. Einst hängte man Hufeisen auf, um die Häuser zu schützen, denn das Hufeisen gehört zu Odins Rossen und Eisen gilt weltweit als dämonenfeindliches Schutzmetall. Wenn man also zur Jahreswende in allen Auslagen Hufeisen aus Marzipan oder Schokolade findet, so geht dies auf das germanische Mittwinterfest zurück und ist eine Anspielung auf Odin, der als Schamanengott mit seinem Ross die Welten bereist.
In den Rauhnächten bedurfte es eines besonderen Schutzes. Wie auch zu anderen heiligen Zeiten im Jahr dachte man, dass sich zu den Tagundnachtgleichen, in der ersten Mainacht, zu Allerseelen und eben auch in den Rauhnächten die Tore der Welten öffnen. Nach germanischer Vorstellung brauste nun die wilde Jagd durch die Lüfte: Odin galoppierte auf seinem achtbeinigen Ross Sleipnir durch den Himmel. Und Frau Holda, die im Winter als wilde Frau Percht erscheint, zieht mit ihrem unheimlichen Gefolge bestehend aus neun Kinderseelen, Elben, Zwergen und Hexen umher. Im Volksglauben hieß es daher, dass man in den Rauhnächten nach dem Abendläuten nicht mehr vor die Tür gehen solle, da man des Todes sei, wenn man der wilden Fuhre begegnet. Um die umherziehenden Seelen zu besänftigen, brachte man ihnen Opfer dar, zum Beispiel einen mit Julbier und Speisen reich gedeckte Opfertisch. Außerdem fütterte man die Elemente, indem man zum Beispiel Büschel ins Fenster hing, an denen der Wind rupfen konnte, und sprach: "Wind i gib dir des deine, lass du mir des meine." Oder: "Feuer laß dir?s schmecka, tua uns nix ostecka" (Alfons Schweiggert).
Ursprünglich diente auch das Aufhängen von Misteln, die im Volksmund einst "Gespenterrute" und "Trudenfuß" hießen, der Dämonenabwehr. Weil sich die Mistelzweige wegen ihrem zweiteiligen Wuchs kreuzen, war sie den Druiden heilig und wurde späterhin zum heiligen Kreuzholz der Christen. Plinius berichtete, dass die Priester die Eichenmistel (altirisch "uile-ic-each") zur Wintersonnenwende mit einer goldenen Sichel schnitten. Vom einstmals heiligen Ritus des Mistelschneidens ist wenig übrig geblieben. Dafür gibt es vor Weihnachten überall Mistelzweige zu kaufen, die man als modischen Jahreszeitenschmuck und zur allgemeinen Belustigung aufhängt, weil man jede Frau küssen darf, die man(n) unter einem Mistelzweig antrifft. Dieser Brauch stammt ursprünglich aus Babylon, wo die Mistel einst der Göttin Mylitta geweiht war, in deren Kult sich jede Frau einmal in ihrem Leben dem heiligen Liebesakt hingeben musste. Wenn die Frau ihre religiöse Pflicht zu Ehren der Gottheit erfüllen wollte, dann begab sie sich in den Tempel, stellte sich unter die Mistel und in dieser Weise bot sie sich dem erstbesten Fremden an, der ihre Gunst verlangte. Dahinter verbirgt sich das alte Wissen um die Fruchtbarkeit spendenden Kräfte der Mistel, die entgegen der übrigen Natur mitten im Winter fruchtet und dem entsprechend einen noch stärkeren Fruchtbarkeitsgeist als andere fruchttragende Pflanzen beherbergt. Daher dienten Mistelzweige in der Schweiz als Brautschmuck, in Österreich hängte man sie über Ehebetten, um Kindersegen zu erwirken, und in der Volksmedizin gilt die Mistel nicht zuletzt durch Maria Treben immer noch als Fruchtbarkeitsmittel.
Es gab an vielen Orten in dieser Zeit wieder die schon erwähnten Perchtenumzüge - die Wilde Jagd darstellend, mit Dämonen, Geistern und bestimmten Tieren und der Percht als Wintergöttin.
Dahinter stand, wie in vielen Traditionen der Schamanen auch, dass diese Geister eigentlich vertrieben werden sollten, damit sie einen nicht befielen mit Krankheiten und Tod. Das ist ja auch das, was die Schamanen in allen Traditionen versuchen, sich in die Welt der "Geister und Dämonen" zu versenken, um dort die krankheitsbringenden Wesenheiten zu konfrontieren. Das ist nicht nur einfach eine Theorie und was uraltes, wie Märchen und Mythen, sondern das ist etwas, was auch heute noch in unseren Seelen wirkt und wo wir oft niemanden haben, der das zu verstehen weiß und damit umgehen kann. Dann werden die Menschen krank, haben Depressionen usw. und keiner weiß so recht, warum.
Wolf-Dieter Storl schreibt in seinem Buch: "Naturrituale" über eine solche Begegnung mit diesem Wilden Heer zu Winterzeit:
"Wir wohnen abgelegen, fern von jedem Dorf ... In den Wintertagen, wenn wir eingeschneit sind und es ganz still ist, da kommt es gelegentlich vor, dass sich in den Momenten zwischen Schlafen und Wachen eigenartige Wesen zeigen. Oft sind sie buckelig und verkrüppelt, manchmal jedoch verführerisch schön; ihre Gesichter erinnern an die Perchten und Masken der alemannischen Fasnacht, an tibetische Dämonenmasken oder an die "Falschen Gesichter", mit denen die Irokesen die Krankheitsdämonen darstellen. Sie sind alle irgendwie leidend, es fehlt ihnen etwas, zugleich sind sie erschreckend und furchterregend. Wenn ich diese Entitäten wahrnehme und dabei Angst bekomme oder gar gegen sie ankämpfe, dauert es erfahrungsgemäß nicht lange und ich oder jemand im Haus oder Stall wird krank. Es ist besser, wenn ich den Mut fasse, ihnen zu sagen, sie sollen weiterziehen. "Wohin sollen wir ziehen!", fragen sie meist mit rauhen Geisterstimmen. Da sag ich: "Zieht nach Osten, geht ins Licht, der Heiland kann euch geben, was euch fehlt!" Manchmal klagen sie: "Aber wir haben kein Reisegeld." Dann gebe ich ihnen einen Kupferpfennig. Mit ihrem Glückspfennig ziehen sie weiter, und das Haus bleibt vor einer Krankheit verschont. Nach solch einem Besuch räuchern wir oft mit Beifuß, Wacholder und Mariengras, um die Atmosphäre zu reinigen."
Und dann beschreibt er noch ein weiteres Beispiel einer solchen Begegnung:
"In der Nacht träumte ich, dass eine Gruppe recht wilder, verwegener Wanderer ins Haus hereinspazierte. Ich stellte mich ihnen in den Weg, als sie durch die Tür ins Haus drangen: "He, was soll das, was macht ihr!" Aber sie ließen sich nicht aufhalten, sie spazierten munter an mir vorbei. Ich regte mich aber nicht sonderlich auf und gab mich eher freundlich. Einer berührte mich. "Du hast erhöhte Temperatur", sagte er.
Als ich kurz darauf aufwachte, war mir tatsächlich heiß, und die Haut war feucht. Nun wusste ich, das war kein gewöhnlicher Traum, sondern ein Besuch. Naturgeister, die mit dem starken Schneefall über das Land zogen, sind mir durch Leib und Seele spaziert. Ihre Berührung war ein Geschenk.
Ich konnte es nehmen, wie ich wollte. Es war wie des Messers Schneide - so oder so: Entweder ich würde physisch krank werden, bekäme Fieber, oder ich würde mich beim Schreiben mit dem Feuer der Inspiration erhitzen und etwas Schönes herüberbringen, eine echte MÄR (althochdeutsch, "eine Botschaft aus übersinnlichen Welten", im Sinne von Luthers Weihnachtslied: "Vom Himmel hoch, da komm ich her, ich bring euch gute, neue Mär"). Wenn ich Angst gehabt hätte, ihnen die Gastlichkeit verwehrt oder den Besuch einfach nicht bewusst erlebt hätte, wäre ich wirklich krank geworden und hätte wohl die Woche im Bett verbringen müssen. Aber ich nahm es nicht auf körperlicher Ebene an, sondern als Feuer der Begeisterung."
Die zu bestimmten Jahreszeiten durchziehenden Naturgeister sind weltweit bekannt. Überall werden sie auf ihrem Durchzug zur Kenntnis genommen, mit Festen und Ritualen gewürdigt und dann aber immer jenseits der Dorfgrenze oder auch Grundstücksgrenze hinauskomplimentiert. In traditionellen Gesellschaften trägt man Masken, die exakt den visionär geschauten Geistern entsprechen. Im Salzburgischen gibt es immer noch Perchtenumzüge zur Rauhnachtzeit. Auch das Bärbeletreiben und Klossatreiben trägt diesen Geist. Auch die Fasnacht ist eine solche Zeit. Die Geister kommen vom "Jenseits", von außerhalb der gesitteten normalen Gesellschaft. Sie kommen aus dem Wald und der Wildnis, aus den Bergen, Seen und Sümpfen, auch analog zu verstehen als Seelenbilder. Auch Verstorbene sind dabei. Und wilde Tiere. Auch diese werden in den Umzügen dargestellt. Es ist eine starke ungezügelte Naturenergie, die sie mitbringen. Storl schreibt: "Eine Energie, die ausgelassen, geil und fruchtbar macht, aber auch genauso leicht das Gleichgewicht stört und krank machen kann. Die Geister bringen kreatives Chaos, aus dem - so oder so - Neues entstehen kann."
Einer der wichtigsten Rauhnachtsbräuche ist schließlich das Ausräuchern der Häuser. Vor allem in katholischen Gegenden räuchert man entweder in den Hauptrauchnächten (Thomasnacht, Weihnacht, Silvester und Dreikönig) oder nur zu Dreikönig mit geweihten Himmelfahrtskräutern oder mit Weihrauch.
Dabei hat das Räuchern zwei Bedeutungen: Zum einen dient es als Opfer, das die Götter und Geister versonnen stimmen soll. Insbesondere Harze wie Weihrauch und Myrrhe sind, wie es Wilhelm Pelikan ausdrückte "stoffgewordenes Sonnenlicht". In den Legenden begegnen uns Gold, Weihrauch und Myrrhe als die Geschenke der drei Magier aus dem Morgenland. Doch nicht zufällig wurde der Geburtstag Christi auf den Tag der Wiedergeburt der Sonne gelegt und die Geschenke der drei Magier dienten wohl ursprünglich als Opfer an die Sonnengötter. Zum anderen bietet das Räuchern wiederum Schutz und soll alle dunklen Mächte vertreiben. Dabei steht das lichte Prinzip, verkörpert durch wohlriechende Harze oder Immergrüne, welche die Kraft der unbesiegbaren Sonne in sich tragen, den dunklen Mächten des Winters gegenüber.
Der Mittwinterkult war ursprünglich ein Sonnenkult, was sich nicht zuletzt auch in der lichtergeschmückten Tanne ausdrückt. Wie zu Johanni die Sonnwendfeuer so sollten auch die Kerzen des Adventskranzes oder des Weihnachtsbaums die Sonne während der längsten Nächte des Jahres symbolisch anfeuern.
Lange bevor Weihrauch und Myrrhe aus dem Orient nach Mitteleuropa kamen, gebrauchte man heimische Harze wie auch wohlriechende Samen, Wurzeln oder Zweige von Immergrünen zum Räuchern. In der vorchristlichen Zeit lieferte vor allem der Wacholder den heiligen und heilsamen Rauch. Den Germanen galt der Wacholder als Lebensbaum, was bereits in seinen Namen "Weckholder" oder "Queckholder" mitschwingt. Juniperus, der ewig jung Erscheinende, lieferte die Lebensrute und seine Beeren gaben aromatischen Rauch. Dem heidnischen Glauben zufolge soll der Wacholderrauch den Hexen und bösen Geistern überaus unangenehm sein. "Wie in allen wehrhaften Pflanzen sah man auch im Wacholder ein Symbol für den Schutz vor Hexen, Dämonen und Waldteufeln. Von Schottland über Deutschland bis Tibet, ebenso bei den mittelamerikanischen Indianern, dienten solche Räucherungen der Dämonenabwehr" (Marianne Beuchert). Bis heute werden daher auch außerhalb der Rauchnächte im Alpengebiet Kranken- und Sterbezimmer mit Wacholderrauch gereinigt.
2 TL Bernsteinsplitter
1/2 TL Engelwurzsamen
2 EL Fichtenharz
2 TL Kiefernharz
3 TL Mistelkraut
3 TL Propolis
1 TL Tannenharz
1 TL Wacholdernadeln
10 EL Wacholderbeeren
Bernsteinsplitter, Propolis, Kiefern- und Tannenharz in einer Reibschale pulverisieren. Dann die Engelwurzsamen in dem Pulver stoßen und wenden und nacheinander die übrigen Pflanzenteile untermengen.
Wer Räucherkegel herstellen möchte, kann nun in einer Tasse einen Esslöffel Tylose (= Tapetenkleister) mit zehn Esslöffeln Wasser ansetzen und immer wieder umrühren. Nach einer halben Stunde kann man das gelatineartige Bindemittel unter die Mischung kneten bis alles gut durchfeuchtet ist. Aus einer Walnuß großen Menge formt man die Räucherkegel und setzt diese zum Trocknen auf Backpapier. Zuletzt noch auf jeden Kegel eine Wacholderbeere drücken. Nach drei bis vier Tagen sind die Räucherkegel trocken. Zum Räuchern setzt man einen Kegel oder streut einen Teelöffel der Mischung in einer feuerfesten Räucherschale auf glühende Räucherkohle und trägt den Rauch ab Sonnenuntergang im Uhrzeigersinn von Eck zu Eck durch alle Räume.