Das Didgeridoo ist das traditionelle Blasinstrument der Aborigines. Der Name "Didgeridoo" stammt von den Europäern. Sie beschrieben damit seinen typischen Klang: "did-tsche-ri-duu ... did-tsche-ri-duu...". Einige der gebräuchlichen Aboriginal-Namen für dieses Instrument sind Yaraki, Yidaki, Magu, Kanbi und Ihambilbilg; der verbreitetste ist heute "Yidaki".
Das Yidaki wird vor allem für die heilige Corroboree-Zeremonie benutzt, die nur für Stammesleute zugänglich ist. Aber die Aborigines verwenden es auch zur Entspannung und spielen es zu Gesang und Tanz bei Feiern und Festen. Und schließlich verwenden sie es auch zur Lehre: Sie ahmen Tierlaute und andere Naturgeräusche nach und bringen so ihren noch nicht initiierten Kindern die Natur näher.
Zur Herstellung dieses Instrumentes benötigt man zunächst einen geeigneten Eukalyptusast und die freundliche Hilfe von vielen kleinen Termiten, die dieses Holz in emsiger Arbeit (freiwillig und besonders gern) aushöhlen. Nach dieser Vorarbeit bekommt das Yidaki von Menschenhand den letzten "Schliff". Es ist dann etwa ein bis zweieinhalb Meter lang und der Innendurchmesser beträgt ca. 10 cm.
Seinen typischen Klang kann man aber auch auf jedem anderen Rohr ähnlicher Abmessung erzielen. So kann auch ein durchstoßenes Bambusrohr, ein von Hand ausgemeißelter dicker Ast eines europäischen Birnen-, Eichen- oder Buchenbaums oder irgendein anderes Rohr als Yidaki dienen. (Zum ersten Üben kann sogar ein Staubsaugerrohr oder ein Kunststoff-Abflussrohr hergenommen werden.)
Um das Yidaki zu spielen bläßt man mit lockeren, vibrierenden Lippen hinein ("Pferdeschnauben"). Mit dieser Technik wird zunächst ein Grundton erzeugt, ein Bassklang mit gleichbleibender Tonhöhe. Durch verändern des Mundraumes, Zungenspiel, Vibrieren des Zwerchfells und mit der Stimme werden die obertonreichen Variationen erzeugt. Die Zirkularatmung ermöglicht das ununterbrochene Spielen.
Der Klang eines solchen Instrumentes ist, wenn von einem Könner gespielt, durchdringend und hypnotisch. Er spricht die Phantasie an und bewegt die Seele des Menschen.
Der „Zauber“ des Yidaki entfaltet sich erst mit Eukalyptus. Das ist kein Zufall, denn Eukalyptus steht in inniger Resonanz zum Lungen-/Atmungsystem des Menschen. Der Eukalyptusbaum ist einer der größten, schnell wachsenden Bäume dieser Erde und benötigt Unmengen an Wasser um zu gedeihen. Ursprünglich wuchsen Eukalyptusbäume nur im Süden Australiens und in Tasmanien. Die Essenzen (die Seele) des Eukalyptus gehören zu den wichtigsten Ölen zur Stärkung der Atemwege. Sie fördern die Einatmung , entspannen und weiten die Muskulatur der Luftröhre und senken zugleich den Blutdruck in den Lungen. Durch die Weitung der Lungenbläschen kann das Blut, welches in den Lungen zirkuliert, vermehrt Sauerstoff aufnehmen und ihn an die Zellen des gesamten Organismus abgeben. Ich möchte es einmal so ausdrücken: Zwischen Mensch und Eukalyptus besteht eine wohlwollende Verwandtschaft (Resonanz). Durch das Beatmen der harten Anteile des Eukalyptus (Holz) erweist der Spieler dem Geist (Spirit) des Baumes Respekt und tritt wieder in Resonanz zur Natur. Wir danken der Natur mit der Poesie des Atems. Sowohl Spielen als auch Hören fördern unmittelbar und absichtslos Resonanzen zu Brustkorb, Herz, Thymus und Atemwegen. Diese Resonanzen sind feinerer Natur und aktivieren die „himmlischen“ Eigenschaften.
Kommt jetzt zum Material noch der Sound dazu, dann ist es natürlich interessant welcher Grundton erklingt. Ganz grob spürt man zunächst tiefe Töne im Unterleib, und hohe Töne in Oberkörper oder Kopf. Mit dem Yidaki lassen sich Töne über eine Oktave erzeugen. Die Grenzbereiche sind jeweils die F-Töne. Ein tiefes F erfordert ein sehr langes und schwierig zu spielendes Instrument. Bei einem Durchmesser von ca. 10 cm muss dieses Instrument 1,80 - 1,90 m lang sein. (Folgende Formel mag zur Orientierung gelten: Rohrlänge = (66000 / Frequenz) - Rohrduchmesser.) Ein hohes F erfordert ein kurzes ca.90 cm langes Instrument. Auch dieser Ton ist nur mühevoll zu erzeugen und klingt normalerweise nicht besonders. Um das F ansprechend zu spielen, braucht man ein erstklassiges Instrument und einen erstklassigen Spieler. Das F setzt die Grenzen des Yidaki. Der Bereich von G bis D/Dis lässt sich gut nutzen. In der Mitte ist das B. Es ist der Ton der Mitte. Und genau das ist der Schlüssel zur gezielten Heilanwendung. Der Spieler sollte in seiner Mitte ruhen und aus eben dieser Mitte heraus den Hörer wieder in Balance bringen können. Mit einem G/Gis- und A/Ais-Yidaki wird geerdet, mit dem C/Cis und D/Dis-Yidaki wird „gehimmelt“. Das nächste ist die Frage nach den Organsystemen: Welches sind die irdischen, welches die himmlischen Organe? Ich möchte an dieser Stelle nicht zuviel verraten... mag der Leser sich diese Antwort selbst geben!
Der Oktavraum des Yidaki spiegelt sich klassisch in den Chakren und in den Spektralfarben des Lichtes wieder. So kann das C-Yidaki dem Wurzelchakra zugeordnet werden, das D-Yidaki dem Hara, das E dem Solarplexus usw.
Diese Anregungen sollen eine erste Orientierungshilfe geben; die Feinarbeit, (Rhythmus, Obertonmodulation und Erzeugen von Tierstimmen) bleibt der Intuition, dem Können und Temperament des Spielers überlassen. Auf jeden Fall gilt: Tu es! - Mit Begeisterung!