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Hinweise für den Hüter des Feuers

Der Hüter oder die Hüterin des Feuers hat eine ebenso wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe, wie der Leiter der Zeremonie. Welche Energie am Schwitzhüttenplatz herrscht und wie das Feuer brennt haben einen maßgeblichen Einfluss auf den Verlauf der Zeremonie.

Aufbau des Feuers

Zwei Scheite werden parallel in Ost-West-Richtung auf den Boden gelegt; der Zwischenraum wird mit trockenen Spänen und kleinen Holzstückchen angefüllt.
Dann werden sieben Scheite quer darübergelegt, die den Altar für die Steine bilden. Jedes Scheit wird mit einem kurzen Gebet einer Richtung präsentiert (Westen, Norden, Osten, Süden, Himmel, Erde).
Zunächst wird nun in die Mitte des Altars ein Stein für den Großen Geist gelegt. Es folgen vier Steine in den Himmelsrichtungen, im Westen beginnend. Wir bieten jeden Stein den Geistwesen (Spirits) der entsprechenden Richtung dar und sprechen ein Gebet, mit dem wir um ihre Unterstützung bitten. Nun folgt ein Stein für Mutter Erde und einer für den Himmel, die jeweils nach einem kurzen Gebet in der Mitte aufgelegt werden. Jetzt können wir die restlichen Steine (ca. 30) zu einem Kegel aufschichten. Dazwischen immer wieder Holzscheite versetzt aufstapeln. Um diesen Stapel werden rundherum weitere Holzscheite schräg angelehnt.
Die Schalen mit dem Spiritfood werden auf den Altar gestellt – im Bogen vom Westen zum Norden; zuerst das Wasser, dann die Trauben oder Kirschen, dann der Mais und schließlich das Fleisch.

Das Erhitzen der Steine

Wenn die Schwitzhütte gedeckt ist und die Ties aufgehängt sind, kann das Feuer angezündet werden. Dazu versammeln sich alle um die Feuerstelle, wobei wir den Platz auf der Linie zwischen Feuer und Schwitzhütte frei lassen. Der Feuermann oder die Feuerfrau und sein(e) Helfer(in) zünden das Feuer gleichzeitig im Westen und Osten an. Wir singen ein Gebetsliet auf Lakota und bitten still die Elemente und die Spirits, uns bei der Zeremonie zu unterstützen.
Während das Feuer brennt, baut sich zwischen ihm und dem Zentrum der Schwitzhütte eine Energielinie auf – die „Einflugschneise“ der Spirits. Diese Linie wollen wir während der ganzen Zeremonie achten und nicht überqueren. Sollte es doch einmal passieren, hast Du als Feuermann oder Feuerfrau die Aufgabe, darauf aufmerksam zu machen und zu bitten, rückwärts wieder zurückzugehen.
Die Steine sollten in dieser Phase immer mit brennenden Scheiten bedeckt, also nicht „nackt“ sein, sodass sie nicht frieren. Sollte einmal einer herunterrollen, so lege ihn gleich wieder hinein. Das Feuer soll so ruhig wie möglich in einem schönen Kegel brennen. Bedenke: Die Energie, die sich im Feuer aufbaut trägst Du später mit den Steinen in die Schwitzhütte. Das heißt: Brennt es unruhig könnte die Zeremonie sehr unruhig werden.
Das Schwitzhüttenfeuer ist ein „Holzitarier“, d.h.: Es isst nur Holz! Nur der Hüter des Feuers darf es füttern und er achtet darauf, dass niemand etwas anderes hineinwirft – auch keine Zigarettenkippen!

Der Beginn der Zeremonie

Wenn die Steine nach ca. 1 bis 1 ½ Stunden heiß und rotglühend sind – das ist in der Regel dann der Fall, wenn der Altar durchgebrochen ist – Wird der Leiter der Zeremonie sich in die Hütte neben den Eingang setzen und die heilige Pfeife, die Cannunpa füllen. Dazu braucht er ein paar glühende Kohlen zum Räuchern, die Du ihm auf einer Schaufel in den Eingang reichst.
Von nun an sollte Deine Aufmerksamkeit immer bei der Schwitzhütte und beim Leiter der Zeremonie sein. Hocke Dich, wenn die Tür geöffnet ist, links neben den Eingang, sodass Du sehen kannst, wenn er Dir ein Zeichen gibt. Ist die Tür geschlossen und musst Du Dich ums Feuer kümmern, habe trotzdem immer ein Ohr bei der Hütte. Rufen wir nämlich alle zusammen „Mitakuye oyasin“ ist das für Dich das Signal, die Tür sofort zu öffnen!

In der ersten Runde bringst Du mit einer Mistgabel sieben Steine herein.
Der erste sollte ein möglichst flacher sein, da Du später noch einen auf ihn drauflegen musst. Dies ist der Stein für den großen Geist, den Du in die Mitte der Grube legst.
Nun folgt der Stein für die Großväter aus dem Westen, den Du vom Eingang aus gesehen direkt vor den ersten Stein legst.
Dann kommen die Großväter des Nordens, des Ostens und des Südens.
Der nächste, der sechste Stein muss wieder ein flacher sein. Er repräsentiert Mutter Erde und wird auf den mittleren Stein gelegt.
Zuletzt kommt noch ein Stein für Vater Himmel auf die beiden mittleren drauf.

Trage die Steine zügig aber nicht hektisch. Sollte Dir einmal einer von der Gabel fallen, bring’ ihn wieder zurück ins Feuer und nehme einen anderen.
Kurz bevor Du einen Stein hereinreichst, sage „Mitakuye oyasin“. Führe die Gabel möglichst Dicht am Boden und mittig, damit niemand verletzt wird.
Bei den ersten sieben Steinen setze die Gabel zwischen Eingang und Grube ab, damit der Leiter sie begrüßen kann. Wenn er den Stein mit der Cannunpa berührt hat, kannst Du ihn an seinen Platz legen.
Der Mann, der links vom Eingang sitzt, wird Dir mit zwei Geweihenden beim Plazieren der Steine helfen.
Die nächsten neun Steine repräsentieren die Planeten. Wähle hierfür eher kleinere Steine aus. sie werden entweder noch in der ersten Runde oder in der zweiten hereingebracht. Lege sie im Westen beginnend im Kreis um die anderen herum.
Jetzt reichst Du den Wassereimer und die Trommel herein und wartest neben dem Eingang, bis der Leiter der Zeremonie Dir das Zeichen zum Schließen der Tür gibt.

Während der Zeremonie

Nach dem Schließen der Tür kannst Du Dich erstmal ums Feuer kümmern. Schiebe die Steine gut im Glutbett zusammen und bedecke sie mit ausreichend Scheiten, um sie gut heiß zu halten.
Sollte während der Zeremonie jemand zum Platz kommen, ist es Deine Aufgabe dafür zu sorgen, dass die Zeremonie nicht gestört wird. Spreche ruhig und gedämpft mit dem Besucher und versuche seine Fragen zu beantworten. Besucher sollten in jedem Fall von der Hütte ferngehalten werden.
Gäste, die nicht mit in die Hütte gegangen sind, können der Zeremonie – möglichst schweigend – am Feuer sitzend beiwohnen. Das gilt auch für Teilnehmer, die die Hütte vor dem Ende der Zeremonie verlassen. Kümmere Dich um sie, lass Dich aber auf keinen Fall in Gespräche über profanes verwickeln. Deine Aufmerksamkeit gilt vor allem der Schwitzhütte und dem Feuer.

Wenn aus der Schwitzhütte der Ruf „mitakuye oyasin“ erschallt, musst Du sofort die Tür öffnen. Entweder ist eine Runde zuende oder es ist uns einfach zu heiß!
Wenn eine Runde beendet ist, wird der Eimer herausgereicht, den Du nach Anweisung des Leiters wieder füllst. Wird auch die Trommel herausgereicht, stelle sie neben oder vor den Altar mit der glatten Fellseite Richtung Feuer.
Der Leiter wird Dir nun sagen, wieviele Steine Du hereinbringen sollst.

In der dritten Runde wird nach dem Öffnen der Tür die Cannunpa geraucht. Reiche sie auf Aufforderung zusammen mit dem Stopfer und einem Feuerzeug dem Leiter herein. Wenn sie im Kreis herumgegangen ist, wird sie Dir der Leiter herausreichen, damit Du ebenfalls einen Zug nehmen kannst. Sollten zwischenzeitlich Teilnehmer herausgekommen sein, reiche sie zuerst ihnen.

Wenn die vierte Runde begonnen hat, also normalerweise keine Steine mehr hereingebracht werden, gilt es, ein kleines Feuer in Gang zu halten, damit im Anschluss an die Zeremonie die Ties darin verbrannt werden können.
Wenn diese Runde beendet ist und Eimer und Trommel herausgereicht wurden, stelle Dich rechts vom Eingang auf, damit sich die Teilnehmer der Reihe nach bei Dir bedanken können.