Beim schamanischen Reisen begibt sich der Suchende mit Unterstützung der monoton geschlagenen Trommel, der Rassel oder auch den archaischen Klängen des Didgeridoos in einen ekstatischen, trance-ähnlichen Bewusstseinszustand. Er dreht und tanzt sich aus der körperlichen Enge heraus, durch Konzentration und Willenskraft taucht er ein, fliegt in die nicht-alltägliche Geistwelt.
Hier kann er sich hilfesuchend an die Wesen, die in der nicht-alltäglichen Welt beheimatet sind, wenden und erhält Antworten auf seine Fragen, Klarheit in belastenden Angelegenheiten, beratende Hilfe bei Problemen. Wichtig dabei ist allerdings, dass er danach selbst tätig werden muss. Eine schamanische Reise alleine löst keine Probleme, sie gibt nur Hilfestellung bei den Lösungsansätzen.
In dieser geistigen Realität unserer Welt können wir uns auf drei unterschiedlichen Ebenen bewegen:
• In der unteren Welt können wir Kontakt zur Seele und zum Un(ter)bewussten eines Menschen aufnehmen; wir können geistig und energetisch auf den Körper wirken und haben Zugriff auf das sogenannte "kollektive Unbewusste". Hier finden wir unsere Krafttiere und die pflanzlichen und mineralischen Geisthelfer (Spirits).
• In der oberen Welt haben wir Zugang zur geistig-spirituellen Wirklichkeit des Menschenwesens. Hier erhalten wir Aufschluss über unsere Lebensaufgabe, finden Visionen und bekommen Kontakt zu unseren geistigen Führern.
• Auch auf der mittleren Ebene, der gegenwärtigen Realität können wir uns im schamanischen Bewusstseinszustand bewegen. Wir können losgelöst vom physischen Körper an einen anderen Ort "fliegen" und sehen, was dort gerade geschieht. Auf dieser Ebene können wir auch Fernheilung bewirken.
Der geübte Reisende kann leicht zwischen den Bewusstseinszuständen wechseln und das dort Erfahrene mit dem wachen Verstand des diesseitigen Bewusstseins prüfen.
Der Zugang zur geistigen Welt im schamanischen Bewusstseinszustand steht grundsätzlich jedem Menschen offen. Doch hängt der Erfolg davon ab, wie weit wir uns von der alltäglichen, materiellen Wirklichkeit lösen und auf die geistige Dimension einlassen können.
Verschiedene Wissenschaftler, wie z.B. der Neurowissenschaftler Mike Hove, haben sich mit der Wirkung von monotonem Trommeln auf unser Bewusstsein befasst und festgestellt, dass sich dabei unser Gehirnwellenmuster verändert und sich die Neuronen neu vernetzen.
Wie alles, so schwingt auch das menschliche Gehirn unentwegt, in unterschiedlichen Frequenzen. Unterteilt werden sie in die Frequenzbänder Delta, Theta, Alpha, Beta und Gamma. Sie spiegeln den jeweiligen Zustand des Menschen wider. Dabei spielen Gefühle, Emotionen, Tages/Nachtzeit und äußere Einflüsse eine wichtige Rolle. Der bisher relativ unerforschte Gamma-Bereich, in dem geistige Höchstleistungen und mystische, überirdische Erfahrungen möglich sein sollen, bildet dabei die höchstschwingende Frequenz, während das untereste Frequenzband „Delta“ im Tiefschlaf für die Regeneration des gesamten Organismus durch das Andocken an die Überseele sorgt.
Im Tiefschlaf (Delta-Wellen) haben wir die geringste Gehirnfrequenz. Wir sind komplett bei uns, nicht mit dem Verstand, sondern mit unserer Seele, die sich in dieser Phase zusammen mit den mentalen und geistigen Anteilen und dem gesamten Organismus während der Traumphase regeneriert. Zusätzlich werden in diesem Zustand vermehrt Wachstumshormone ausgeschüttet, weswegen manche Forscher Delta-Zustände auch mit Heilung in Zusammenhang bringen.
Im traumlosen Tiefschlaf, dem erholsamen Teil des Schlafes, produzieren wir ausschließlich Deltawellen. Sie kommen aber auch in Kombination mit anderen Hirnwellen vor. Dann entsprechen sie einer intuitiven Aufmerksamkeit, einer Art Radar, einer Einfühlung in Situationen oder andere Menschen. Oft verfügen Menschen aus helfenden Berufen über hohe Anteile an Delta, ebenso Menschen mit traumatischen Erfahrungen, die in einem Zustand ständiger Wachsamkeit leben.
Der Tiefschlaf ist wie ein Andocken an die Ursprungsessenz, die uns die körperliche Erfahrung auf der Erde erst möglich machte. Doch ein permanenter Zustand im Tiefschlaf würde für die menschliche Erfahrung genauso wenig Sinn machen wie der normale wache Beta-Zustand. Denn jedes Frequenzband für sich hat eine bestimmte Funktion.
Den optimalen Bewusstseinszustand für unsere Persönlichkeitsent-wicklung können wir im Theta-Bereich abrufen, denn da haben wir unbegrenzten Zugang zu unserem Unterbewusstsein. Es ist der Zustand zwischen Entspannung (Alpha) und Schlaf (Delta). Hier wird der Verstand weitgehend ausgeschaltet, was aber kein Nachteil ist. Im Gegenteil:
Das Unterbewusstsein ist die Tür zu unseren verborgenen Ängsten, die uns im Leben vielleicht manchmal blockieren. Das Unterbewusstsein ist aber auch die Tür zu unserem wahren Potenzial, zur göttlichen alles umfassenden Liebe und zur eigenen Wahrheit. In unserem Unterbewusstsein reifen Selbsterkenntnisse und die Selbstheilungskräfte werden aktiviert. Eine halbe Stunde „Halbschlaf“ am Tag wirkt wie eine Frischzellenkur und als Kraftquelle. Vielleicht können wir uns direkt nach dem Zustand im Theta-Bereich an die erlebten Erkenntnisse nicht erinnern, wohl aber wird das „Erfahrene“ in uns verarbeitet. Es entfalten sich Potenziale, wir werden kreativ, haben Ideen und Visionen, die sich meist in den kommenden Tagen und Nächten zeigen, wenn wir aufmerksam sind und das Leben, Geschehnisse und Situationen als Antwort akzeptieren. Als sehr effizient hat es sich erwiesen, wenn man sich bewusst vor dem Theta-Zustand eine Frage stellt und auf eine Antwort vertraut.
Bilder aus dem Theta-Bereich sind oft weniger farbig, manchmal bläulich getönt, vermitteln uns aber meist ein tieferes Gefühl von persönlicher Bedeutung als die lebendigen, bunten Bilder der Alphawellen.
Der Theta-Zustand unseres Gehirns eröffnet sich für uns auch auf natürliche Weise im Zustand kurz vorm Einschlafen bzw. kurz nach dem Aufwachen. Der Zustand kann auch künstlich herbeigeführt werden, z.B. durch oben beschriebenen Halbschlaf, bestenfalls am frühen Nachmittag, oder durch eine tiefe Meditation (muss öfter praktiziert werden) oder mit Hypnose mithilfe eines Hypnotherapeuten.
Erwachsene erzeugen im Normalfall wenig Theta-Wellen, währen Kinder sich häufig im Theta-Zustand befinden, bis zum Alter von sechs Jahren sogar überwiegend. Auch in tiefer Meditation überwiegt in unserem Gehirn der Bereich der Theta-Wellen.
Mit zunehmender Entspannung dominieren die Alpha-Wellen in unserem Gehirn, man nennt diesen Zustand auch ‘Alpha-Zustand’. Alpha-Aktivität spricht für einen weitgehend neutralen, stressfreien Zustand. Fehlende Alpha-Aktivität kann ein Hinweis auf Sorge und Stress, aber auch auf Gehirnschäden oder Krankheit sein. Der Alpha-Bereich gilt als optimaler Bereich, um zu lernen oder Informationen zu verarbeiten und als Tor zum Bereich des erweiterten Bewusstseins, kurz unterhalb unserer bewussten Wahrnehmung. Sie sind als Brücke notwendig, damit Informationen aus dem Theta-Bereich in unser Wachbewusstsein gelangen können. Wenn wir so tief meditieren, dass wir nur noch Theta- und Deltawellen, aber keine Alphawellen mehr produzieren, werden wir uns an die Inhalte der Meditation nicht erinnern können. Alpha ist deshalb besonders in Kombination mit anderen Hirnwellen bedeutsam.
Der äußerst entspannte Alpha-Zustand, der ebenfalls sehr wichtig für unsere Regenerierung und zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte ist, kann relativ leicht hergestellt werden, z.B. mithilfe Meditation, Entspannungsmusik, einer kurzen Ruhepause auf dem Sofa, durch (Selbst- ) hypnose, Visualisierungsübungen, Autogenes Training etc. Hier sind wir zwar wach, aber entspannt, passiv und ruhig – der Alpha-Zustand ist die Brücke zwischen Unterbewusstsein und Bewusstsein.
Im Alpha-Zustand kann auch der sog. Flow erreicht werden. Nicht umsonst begeben sich z.B. Spitzensportler, Musiker und Künstler kurz vor Wettkämpfen oder Auftritten in die mentale Entspannung, um zeitgenau geistige und physische Höchstleistungen absolvieren zu können. Die Flow-Forschung bezeichnet Flow gar als eine Art „Mikro-Schlaf“, der durch eine erhöhte Konzentration und Thetaaktivität gekennzeichnet ist.
Im durchschnittlichen Beta-Bereich sind wir wach, aufmerksam, können konzentriert arbeiten, Autofahren und unseren alltäglichen Verpflichtungen nachkommen. Je aufmerksamer und achtsamer wir dabei vorgehen, desto weniger anfällig gegen Überforderung und Burnout sind wir. Die hohen Frequenzen des Betaspektrums werden besonders beobachtet bei innerer Unruhe, Angst, Stress und wenn unser innerer Kommentator oder Kritiker aktiv ist.
Sie werden mit Spitzenleistungen (peak performance), starker Fokussierung und Konzentration, hohem Informationsfluss in Verbindung gebracht. In diesem Zustand soll es möglich sein, tiefe mystische Erfahrungen zu machen und höherdimensionale Wirklichkeiten bewusst wahrzunehmen. Es wurden auch Verschmelzungserlebnisse, das Gefühl universellen Wissens und Verlust des Ich-Gefühls beobachtet. Derzeit werden vor allem Gammawellen im Frequenzband um 40 Hz im Zusammenhang mit fokussierter Meditation erforscht. Dabei ist ein besonderes Kennzeichen die Synchronisation der Gammawellen über weite Bereiche des Gehirns.
Kein Wellenbereich ist ‘besser’ als die anderen. Forschungen haben jedoch gezeigt, dass die Gehirnaktivität bei Spitzenleistungen einen Zustand erreicht, den man ‘Synchronisation’ nennt. Gehirnwellen verlaufen wellenförmig mit Tälern und Spitzen. Synchronisation erreicht man dann, wenn die Gehirnwellen ihre Spitzen synchron, d.h. gleichzeitig erreichen. Es scheint erwiesen zu sein, dass Synchronisation und Hemisphären-Synchronisation (d.h. ein relatives Gleichgewicht zwischen der rechten und linken Gehirnhälfte) auf zerebrale Spitzenleistungen hinweisen, während Gehirnwellen-Asymetrie mit Depressionen in Verbindung gebracht werden.
Bei einem Rhythmus von 210 bis 240 Schlägen pro Minute (3,5 bis 4 Hz) ändern sich unsere Gehirnwellen hin zu den Theta-Wellen. Untersuchungen mit dem EEG zeigten, dass dies nicht durch Meditationstechniken erreicht werden kann.
Amerikanische Ureinwohner bezeichnen das Trommeln als den „Herzschlag der Erde“. Bemerkenswert ist, dass die elektromagnetische Resonanzfrequenz der Erde als 7 Schwingungen pro Sekunde gemessen wird und damit äquivalent ist zu den Gehirnwellen im hohen Theta-Bereich und im niedrigen Alpha-Bereich. Das Trommeln ermöglicht dem Schamanen also, seine Gehirnwellen mit dem Puls der Erde in Einklang zu bringen.